Wie die Flößerei Thüringen und Sachsen einte und trennte

Die Sprotte am Sprotte-Erlebnis-Pfad zwischen Posterstein und Nöbdenitz

Flüsse können alles Mögliche sein: Wasserstraßen, Kulturlandschaften, Lebensadern oder einfach nur Orte der Erholung und Besinnung. In früheren Zeiten wurden sie auch für den Transport von Holz genutzt, die sogenannte Flößerei.

Die Flößerei als Mittel des Holztransports ist ein sehr altes Gewerbe, bereits im Alten Testament wird davon berichtet. Und schon aus dem 14. Jahrhundert stammen erste Erwähnungen der Holzflößerei auf der Pleiße. Die Menschen denken, handeln und reisen ‚flussabwärts‘ und so wurde auch das Holz aus dem Werdauer Wald – eines der grössten Waldgebiete südlich von Leipzig – bis ins frühe 18. Jahrhundert ins sächsische Leipzig und heutige thüringische Altenburg flussabwärts geflößt.

Historische Flusskarte aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein (c) Museum Burg Posterstein
Historische Flusskarte aus der Sammlung des Museums Burg Posterstein (c) Museum Burg Posterstein

Der Sachsen-Gotha-Altenburgische Minister und Altenburger Kammerpräsident Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) stieg in seinen 57 Dienstjahren am Hof der Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg vom Pagen zum Minister auf. Weil die Brauereien, Ziegeleien und Töpfereien der Stadt immer mehr Brennholz brauchten und die Importe aus dem Werdauer Wald so teuer waren, richtete Thümmel zwischen 1797 und 1817 eine Holzflößerei auf Sprotte und Pleiße ein. So konnten eigene Holzbestände aus der Nähe von Klosterlausnitz bis nach Altenburg geflößt werden. – Allerdings funktionierte die Flößerei nur einmal jährlich für zwei bis drei Wochen während der Schneeschmelze, denn Sprotte und Pleiße waren schon damals keine reißenden Flüsse. Die transportierte Holzmenge schwankte stark. Letztlich wurde die Flößerei schon bald wieder eingestellt.

Im Museum Burg Posterstein, das dem umtriebigen Minister Thümmel derzeit eine Sonderausstellung und ein Buch widmet, werden Flusskarten ausgestellt, die zur Vorbereitung dieser Flößerei dienten. Sprotte und Pleiße wurden teilweise begradigt und es wurden Floßteiche eingerichtet. Auf dem Floßteich bei Thümmels Rittergut Untschen ließ sich der Liebhaber englischer Gärten das Zapfenhaus als Chinesisches Badehaus einrichten.

Wichtige Tipps:

    • Mehr über den Minister Hans Wilhelm von Thümmel gibt’s in einer Sonderausstellung auf Burg Posterstein. Die Ausstellung „Im Dienste der Ernestiner: Hans Wilhelm von Thümmels Aufstieg vom Pagen zum Minister“ läuft noch bis 31. Oktober 2016. Am 2. Oktober 2016, 15 Uhr, wird das Buch zur Ausstellung vorgestellt.
    • Sehr schöne geführte Wanderungen mit dem Floßknecht „Ole“ – in nachgestalteter Originaltracht durch den Werdauer Wald auf den Spuren der Flößergeschichte entlang des Flößergrabens können unter der Tel.-Nr. 03761/72852 oder 0174/70 55 0 34 gebucht werden. Man erfährt viel schönes über Wald, Flur, Tierleben, Volks- und Heimatkundliches, Sagen und Legenden.

Auf unserer Karte finden Sie den Werdauer Wald und das Museum Burg Posterstein:

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